14.08.2014

Oh captain! My captain!


01.08.2014

Wollen wir zusammen Kunst machen?

Wenn dich mal ein netter älterer Herr mit belgischem Akzent ansprechen und diese Frage stellen sollte, dann antworte doch einfach mal mit "Ja". Kann zwar sein, dass Du wenig später nackt und mit Erde beschmiert im Wald stehst und von den Mücken gefressen wirst, aber wenigstens kommen schöne Fotos dabei heraus.

Fotograf, Pantomime und Lebensberater Jean-Marie Bottequin hat gestern in der Weinhandlung Toskana einen Ausschnitt seines umfangreichen Werks gezeigt. Jetzt denkt ihr wahrscheinlich, wenn mir kein besseres Adjektiv zur Beschreibung einfällt als "umfangreich", dann hab' ich es wieder mal nicht kapiert und damit habt ihr recht.
Was soll es denn da nicht zu kapieren geben? Sind halt Aktbilder von Frauen. Manchmal so verfremdet, dass man kaum noch erkennt, was man sieht. Manchmal zu bestimmten Themen oder dominiert von einer bestimmten Arbeitsweise. Also alles ganz easy. Oder?

Aber wenn einen ein Motiv seit den 60ern bis heute nicht losgelassen hat, dann kann man davon ausgehen, dass noch ein wenig mehr dahinter steckt, auch wenn man keine Ahnung davon hat. Was haben Frauen also, was Männer, Landschaften, Meerschweinchen oder Schweinebraten nicht haben? Vielleicht gibt seine Antwort auf die Frage, warum er kaum Männer fotografiert, einen Hinweis darauf: Männer reden ihm zu viel drein. Frauen sind offen, lassen sich auf die Kunst ein und bieten das Vehikel für den Funken, der aus Handwerk Kunst machen kann.
Zumindest das habe ich verstanden. Jeder ist ein Künstler. Jeder kann sich inspirieren lassen und so über sich selbst hinauswachsen. Allerdings nennt man nur diejenigen Künstler, die den Rest der Menschheit an diese Tatsache erinnern.

Geh mal in eine Ausstellung und sag bei der Betrachtung eines Bildes: "Das ist doch keine Kunst, das könnte ich auch." Gerade deshalb ist es Kunst. Und du solltest wirklich mal nicht nur reden sondern tatsächlich diese drei roten und den einen blauen Strich auf eine Leinwand pinseln um das Ganze dann Nr. 57 zu nennen.

Aber zurück zu Jean-Marie Bottequin. In seinen frühen Jahren in Gent hatte er einen Löwen. Richtig gelesen: Eines dieser Tiere, das sich von Mäusen oder biblischen Helden Stacheln aus der Pfote ziehen lassen muss. Als er gestern beschrieben hat, wie seine Bilder entstehen, (Synchronizität, Inspiration, Vorbereitung, Skizzen, Shooting, etc. Alles sehr ausgefeilt.) klang das zwar anders, aber ich glaube er hat immer noch einen Löwen. Mit Stachel in der Pfote oder ohne weiß ich nicht.

Wer will, kann sich seine "Frauenbilder in Umbrien" noch bis Oktober über Weinflaschen und Grissinis anschauen.

30.07.2014

Mit Ze im Bunker

Ze do Rock, seines Zeichens Weltreisender, Sprachreformator, Raucher, Filmemacher und begnadeter Bachmannpreis-Nichtgewinner war gestern im Einstein.
Wer die Räumlichkeit nicht kennt, stelle sich jetzt bitte einen Bunker / Bierkeller vor, aber bitte verschwendet nicht zu viel Energie darauf, denn die braucht ihr gleich noch.
Während Ze aus seinem neuen Buch "Per Anhalter durch die brasilianische Galaxis" vorgelesen hat ("Normalerweise erzähle ich viel mehr anstatt zu lesen. Lesen ist eine schreckliche Sache!"), machte eine 5köpfige Freejazz(?)-Combo, das, was eine Freejazz-Combo so macht. Und ich habe keine Ahnung, was die macht. Für mich klang es nach Krach, aber ich habe noch weniger Ahnung von Jazz als von Lyrik. Es könnte also auch anspruchsvolle Musik gewesen sein.

Zumindest habe ich den Witz verstanden, den sie gebracht haben, als Ze um einen Schuplattler gebeten hat: Einer der 5 zog seine Schuhe aus, legte ein Blatt Papier darauf und steckte dann noch einen Vibrator rein. Gut, das mit dem Vibrator habe ich nicht kapiert, aber Schuh-Blatt hat irgendwie Sinn gemacht.
Dass der Bassist sein Instrument danach mit dem zerknüllten Papier bespielt hat, hingegen nicht ...

Bestenfalls war die Mischung aus Ze und der Band, die dazu gespielt hat, skurril. Im ungünstigsten Fall war sie nervig, weil der Sänger / Vokalist / Mikrofonbeauftragte schmatzende und schlürfende Geräusche gemacht hat, während Ze was auf  Ultradoitsh erzählt hat.

Na egal, so lange so einen Performance-Caipirinha einen guten Schuss Ze do Rock enthält, kann sie gar nicht so schlecht sein und außerdem gab es zur Lesung Fotos aus Brasilien mit dazu. Natürlich mit ein paar der 600 heißen Brasilianerinnen, deutscher Kultur und Supermarktpreisholskatern.



20.07.2014

JuLy im Juli in Giesing

Worum geht's? Um das Programm "Zeitwärts" von JuLy, das ich gestern gesehen habe.

Um es kurz zu machen: Ich verstehe nach wie vor nichts von Lyrik, aber es war schön mir selbst dabei zuzuschauen, wie sich mein Gehirn neu kalibriert hat. Irgendwann war es schon damit zufrieden, dass jemand zu dudelnder Hintergrundmusik die Namen von Kühen vorgetragen hat, um ein paar Endorphine rauszulocken. Irgendwann hab ich es aufgegeben auf Reime zu hoffen und als sie dann doch noch kamen, haben sie mich um so glücklicher gemacht.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass es nicht reicht seine Gedanken mit bedeutungsschwangerer Stimme vom Blatt abzulesen um daraus Lyrik zu machen. Horaz hätte vielleicht gesagt: "Parturient montes, nascetur ridiculus mus"

Ich sage: Was für ein wundervoller Blödsinn und Tiefsinn! Keine 50 Meter entfernt schlafen die Obdachlosen vor dem Giesinger Bahnhof ihren Rausch aus während ich ein Teil der Zuhörmaschine bin und mich mit Lyrik zudröhne. Und ich frage mich, wer mehr zahlen musste und wer sein Geld besser investiert hat.
Die Antwort ist einfach: Ich natürlich. Denn auf die 10 % für die es sich lohnt, kann ich mich verlassen. 
In diesem Fall war das Florian Beier mit seinem Rap, seiner Frage, warum er mitten in der Nacht an einer roten Fußgängerampel steht, während andere was aus ihrem Leben machen und nicht zuletzt seinem fulminanten Aufruf zu leben, zu lieben und um Gotteswillen Fehler zu machen.

In diesem Sinn lasse ich Samuel Beckett das letzte Wort: All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

04.07.2014

Aufgeben und weitermachen

Ich fange mal mit dem positiven Teil an, wie es zu diesem Teil kam, müsst ihr nicht unbedingt lesen.

Ich habe vor einiger Zeit folgende Dokumentation gesehen und fand die Idee ganz nett:


Ganz nett im Sinne von: Ja, Schreibmaschinen sind cool, Schreiben ist cool, aber das wäre nichts für mich. Ich habe höhere Ziele, will Geschichten, die ein wenig mehr Bestand haben, Bücher schreiben, etc. Außerdem: Mit Leuten reden? Wie ekelig! ^__^

Aber nach 5 Jahren Memphisto-Pentalogie hat sich etwas in mein Schreiben zurückgeschlichen, was ich zuletzt während der Schulzeit gemacht habe: Texte über und für Menschen schreiben. Schnell und direkt. Zum Beispiel diese hier über den Roving Typist selbst.

Und deshalb stehe ich euch zur Verfügung, wenn Ihr einen Text oder eine Geschichte möchtet. Für eine kleine Spende, eine Inspiration, ein nettes Gespräch oder eine Überraschung. Sagt mir einfach, was ich für euch schreiben darf und sobald ich genügend Zeit habe und es in meinem Kopf Klick macht, lege ich los.



So und jetzt der negative Teil:

Frustration ist eines der konstituierenden Elemente eines Schriftstellerlebens. Man schreibt und schreibt, aber es gibt eh schon so viel Geschriebenes, dass man schon sehr viel Glück oder Durchhaltevermögen braucht, um überhaupt gelesen zu werden, geschweige denn um etwas dafür "zurückzubekommen". Man bekommt pro 100 Lesern ein Review auf Amazon, verkauft pro 20 Besuchern einer Lesung ein Buch.

Weil das so nicht weitergehen kann hab ich mich neulich mit einem Coach unterhalten, der sich meine Sachen angesehen und gemeint hat, dass sie besser sind als erwartet und dass ich nur mehr Marketing brauche. Also vielleicht eine Agentur für die Texte suchen, die noch nicht über KDP zu haben sind und ansonsten massiv bei Reviewern, Buchseiten, Lesergemeinschaften und Literaturkritikern hausieren gehen.

Ich hab nicht die geringste Lust dazu. Ich habe nicht die geringste Lust auf den Literaturbetrieb. Also lasse ich es bleiben. Zumindest für eine Weile.

Was ich so lese